Im Rahmen des Jubiläums "200 Jahre Quellentdeckung" und "100 Jahre Prädikatisierung" findet im Kulturforum eine unterhaltsame Ausstellung mit dem Titel "Der Kurschatten – ein Tabu bei Licht betrachtet“ statt.
Es gibt ihn, seit es Badeorte gibt. Sein Ruf ist legendär. Er hat Einsamen den Aufenthalt versüßt. Er ist der Grund für Witze. Dichter haben über ihn geschrieben und Künstler ihn verewigt. Er hat Ehen gestiftet, aber auch zerstört. Alle reden über ihn, doch kaum einer gibt offen zu, ihn gekannt zu haben: Die Rede ist von dem „Kurschatten“, jener Liebschaft oder Affäre während der Kur-Zeit.
„Eleganter, hübscher junger Mann, repräsentationsfähig ... sucht Stelle als Reisebegleiter, auch zu einer Dame ...“, las Dr. Martina Bleymehl-Eiler, bis Sommer 2025 Leiterin und Geschäftsführerin des Kur-Stadt-Apotheken-Museums in Bad Schwalbach, in einer Kontaktanzeige einer Kurliste aus dem Jahre 1898. Eine solche Anzeige in einem Mitteilungsblatt, das nur von Kurgästen gelesen wurde? War es ein Einzelfall oder kam dies öfter vor? Die Neugierde, die Beziehungen der Geschlechter in den Kurorten früher und heute einmal näher unter die Lupe zu nehmen, war geweckt. Dr. Bleymehl-Eiler fasste den Entschluss, dieses bis heute tabuisierte Thema bei Licht zu betrachten und betrat damit wissenschaftliches Neuland. Obwohl zwischenmenschlichen Kontakte eine spannende kulturhistorische Facette des Bade- und Kurwesens darstellen, wurde die Historie der Kurbekanntschaften in der Medizin-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte bis dahin ausgeklammert.
In den Kurorten begegneten sich Menschen verschiedenster Herkunft, die dorthin kamen, weil sie ihre Gesundheit pflegen und etwas erleben wollten. Das Reiseverhalten und die Entwicklung verschiedener Therapien beeinflusste die Beziehungen am Ort ebenso stark, wie die jeweiligen Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Konventionen der Zeit.
Diese spannenden Zusammenhänge anhand zeitgenössischer Berichte und Abbildungen auf humorvolle Weise näherzubringen, ist das Ziel dieser Ausstellung. Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, Kurorte seien ein Sündenbabel, in denen jeder Gast nur das „Eine“ suchte. Dass manche die günstige Gelegenheit zu einer Beziehung nicht ungenutzt vorübergehen ließen, ist, wie Theodor Fontane in seinem Roman Effi Briest ausdrückte, „ein weites Feld“.
Zeitlich spannt sich die Ausstellung vom ausgehenden Mittelalter bis in die Gegenwart, sie berücksichtigt überwiegend Bäder und Kurorte im deutschsprachigen Raum. Die Ausstellung bemüht sich, Männer und Frauen gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen. Mit großem Erfolg reiste der „Kurschatten“ inzwischen durch viele Kurorte in Deutschland und ist nun in Bad Mergentheim zu sehen.
Öffnungszeiten:
Täglich von 10:30 - 17:00 Uhr,
mittwochs geschlossen.
Eintritt frei!
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