„On parle la langue de Molière“ („wir sprechen die Sprache Molières“) ist in der Elfenbeinküste ein geflügeltes Wort, Molière als Synonym für die französische Kolonisierung in Sprache und Kultur, als Maßstab, wie man sich gewählt ausdrückt und europäische Normen erfüllt. La Fleur Mitglieder sind mit der Ikone Molière aufgewachsen, seine widerständigen Stücke und Biografie kennen sie noch nicht. Wir eignen uns DER BÜRGER ALS EDELMANN an, Molière kritisierte in der Ballettkomödie die Aufstiegsgelüste eines Bürgers, der brutal gegen die eigenen Leute vorgeht und durch naive Anpassung an Bildungs- und Benimm Normen glänzen will. Er entlarvte die Fehlidentifikation mit der höher stehenden Klasse- übertragbar auf eine (post)koloniale Situation. Längst gibt es in der Elfenbeinküste Gegenbewegungen zur unkritischen Übernahme französischer Kultur: Seit den 70ern sprechen viele Ivorer*innen „nouchi“, eine Hybridsprache aus französisch, einheimischen Sprachen und neuen Slang Ausdrücken, die von Gesten und Tänzen begleitet wird. Die Komödie hat den Wechsel von Textszenen und Ballett Intermezzi als Strukturprinzip, das La Fleur mit eigenen Choreografien transformiert. La Fleur vertanzt die Rollen. In der Fiktionalisierung liegt Potential, den Fluch der Kulturanpassung mit befreiendem Spott loszuwerden.
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