"Aber warum schlägt man einen Nagel durch zwei Hände, die sich nicht suchten?"
Diese durchaus berechtigte Frage stellt Prinzessin Lena vom Reich Pipi anlässlich ihrer vom Vater geplanten Vermählung mit Leonce, dem Prinzen vom Reich Popo. Dieser versucht ebenso, der Zwangsheirat zu entgehen. Lena flieht mit ihrer geliebten Zofe, Leonce mit seinem Freund Valerio. Dabei treffen sie sich, ohne einander zu erkennen – und heiraten in Büchners Lustspiel letztlich doch.
Was Leonce und Lena umtreibt, sind fast 200 Jahre später im Kern noch immer dieselben Sorgen der jungen Generation westlicher Prägung: stereotypische Geschlechterrollen, Frustration und Langeweile, aber auch Sinnsuche und die zeitlose Frage nach der menschlichen Natur. Was damals die Suche nach Zerstreuung auf der Flucht nach Italien, scheint heute innere Migration in digitale Welten zu sein.
Auf diese Parallelen hin befragt Annette Müllers Inszenierung den gesellschaftskritischen Komödienklassiker. Sie stellt die beiden Paare in den Mittelpunkt eines Stückes über den Eskapismus einer Generation, die sich gegen die Borniertheit gesellschaftlicher Konventionen zur Wehr setzt und einen poetischen Versuch der Selbstbehauptung wagt.
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