Von Preußen zwischen wissenschaftlicher Deutung, politischer Instrumentalisierung und sentimentaler Trivialisierung.
Obwohl die preußische Bevölkerung den Tod Friedrichs II. im August 1786 nach 46jähriger Regierungszeit eher mit Erleichterung denn mit tiefer Trauer aufnahm, wurde Preußens großer König schon bald zum Ansatzpunkt einer historisch-politischen Mythenbildung. Als „Friedrich der Einzige“ stand er fortan im Zentrum eines neuartigen preußischen Patriotismus, der nicht zuletzt die Integration der kulturell und historisch äußerst heterogenen Einzelteile Preußens unter dem Dach der Hohenzollernmonarchie befördern sollte.
Zugleich wurde Friedrich schon bald nach seinem Ableben zum willkommenen Geschäftsmodell einer boomenden Souvenir-Industrie. Und auch in den folgenden zwei Jahrhunderten oszillierte das öffentlich gezeichnete Friedrich-Bild zwischen politischer Instrumentalisierung – etwa wenn die berühmten „Fridericus-Rex-Filme“ der 1930er Jahre den König gegen die historischen Fakten zu einem Vorreiter der deutschen Einigung stilisieren wollten – und einem preußenfeindlichen Exorzismus.
In diesem Sinne will der Vortrag kein biographisches Lebensbild liefern, sondern einen Beitrag zur wechselvollen Rezeptionsgeschichte einer schillernden historischen Figur.