Das sind die MORITZ- Kinotipps im August
MORITZ-Skala
1 schrott
2 naja
3 okay
4 top
5 mega
In die Sonne schauen
In Cannes hat das über 100 Jahre deutscher Geschichte erzählende Werk von Regisseurin Mascha Schilinski den Großen Preis der Jury gewonnen. Es ist kein linear erzählter Film, sondern einer, der die Schicksale von vier in verschiedenen Epochen lebenden Frauen auf kunstvolle miteinander verschmelzen lässt. Gemeinsamer Nenner ist ein Vierseitenhof in der Altmark. Dort erleben die Frauen ihre Kindheit und Jugend. Doch während sie ihre eigene Gegenwart durchstreifen, offenbaren sich ihnen Spuren der Vergangenheit – unausgesprochene Ängste, verdrängte Traumata, verschüttete Geheimnisse. Alma entdeckt in den 1910er Jahren die Existenz einer unbekannten Schwester, Erika (1940er) ist fasziniert von einem kriegsversehrten Onkel, Angelika (1980er) balanciert zwischen Todessehnsucht und Lebensgier und Nelly (2020er) ist gefangen in einem brüchigen Familiensystem. Interessant ist, dass zwischen den Figuren jeweils eine Generation fehlt. Ein wahrlich epochales Werk. Start: 28. August 5
Sirât
Schon der Einstieg in dieses Wüstendrama ist hypnotisch. Menschen tanzen vor der staubigen Kulisse des marokkanischen Atlasgebirges zu Technosounds, sind in Trance. Offenbar ist das Event aber illegal, eine Militärkolonne löst es auf. Ein Teil der Rave-Jünger-Karawane aber zieht weiter, ihnen auf den Fersen ein Vater mit seinem zwölfjährigen Sohn, die auf der Suche nach Tochter und Schwester sind, die ihrerseits gerne auf solche Raves ging. Für die Reisegruppe geht es auf abenteuerlichen Wegen weiter südlich. Zwischenfälle bleiben nicht aus, auch tödliche nicht. Alle geraten sie an Grenzen, sowohl physisch wie psychisch. Was sie zwischen Ekstase und Hoffnung erleben, wird auch für den Zuschauer zu einer hammermäßigen Grenzerfahrung. Start: 14. August 4
Die Farben der Zeit
Cédric Klapisch, bekannt geworden vor über 20 Jahren mit seinen von studentischem Erwachen erzählenden Filmen „L‘auberge espagnole“, verbindet in seinem jüngsten Werk Vergangenheit und Gegenwart auf raffinierte Weise, feiert dabei zudem die Entdeckung des Impressionismus und erzählt von der Entwicklung der Fotografie von einst bis heute. Im Heute lernen sich vier Menschen kennen, die verwandt sind, bislang aber nichts voneinander wussten. Sie haben ein Haus in der Normandie geerbt, in dem sie große Kunstschätze entdecken. Der Zuschauer weiß in der geschickten Verzahnung von damals und heute oft mehr als sie. Während die Erben die Vergangenheit ihrer „Urmutter“ Adèle mühsam rekonstruieren, kleidet Klapisch sie in großartige Bilder. Start: 14. August 5
Wilma will mehr
Das Tempo dieser Sozialdramödie ist bedächtig, die Handlung episodenhaft. Und doch nicht untypisch für Frauen, die zu DDR-Zeiten allerlei Zertifikate sammelten und nach der Wende nichts mehr wert sein sollten. Wilma ist so eine Frau. In Wien sucht sie ihr neues Glück. Start: 31. Juli 4
Die guten und die besseren Tage
Die guten Tage sind für eine Gruppe Frauen jene, an denen Alkohol ihnen hilft, die Sorgen des Alltags zu vergessen. Die besseren sollen jene nach einer erfolgreichen Therapie sein. Als Maßnahme vorgesehen ist die Teilnahme an einer Wüstenrallye. Start: 31. Juli 3
Rave on
Wer noch nie in einem Techno-Club war, darf hier hautnah und inklusive subjektiver Rauscherfahrung eines in jenem Berliner Club in Ungnade gefallenen Soundbastlers, der seine neue Vinyl-Platte unbedingt einem bekannten DJ überreichen will, dabei sein. Start: 31. Juli 4
Milch ins Feuer
Aufgewachsen auf einer Straußenfarm im Hohenlohischen legt Justine Bauer ihr Langfilmdebüt vor. Ihr humorvoller Heimatfilm erzählt von einer Nachwuchsbäuerin, die Verantwortung für Kühe und Landwirtschaft übernimmt, das Feiern aber auch nicht bleiben lassen mag. Start: 7. August 4
Was uns verbindet
Als die Nachbarn ihr den kleinen Elliott anvertrauen, ahnt die alleinlebende Buchhändlerin Sandra (Valeria Bruni Tedeschi) nicht, dass sie weit über diesen Gefallen hinaus mit der Familie verbunden bleiben wird. Die schwangere Mutter des Jungen stirbt bei der Entbindung. Start: 7. August 3
Das Kanu des Manitu
Michael Bully Herbig und Christian Tramitz sind als Apachenhäuptling und Blutsbruder wieder zurück auf der Leinwand. Eine Bande will ihnen das sagenumwobene Kanu des Manitu streitig abluchsen. Ob an den Erfolg von 2001 angeknüpft werden kann? . Start: 14. August 4
Afterburn
Im Louvre hatte man vorgesorgt, als die Erde im Zuge einer Sonneneruption zerstört wurde. Nun schlummert die Mona Lisa in einem Tresor – und den will Schatzsucher Jake nun im Auftrag des mächtigen King August mit Hilfe einer Freiheitskämpferin finden. Start: 21. August 3
Willkommen um zu bleiben
Ein Zauberer steigt ab in einem Hotel, das von seltsamen Gästen und Erscheinungen bevölkert ist und in dem er kurzerhand Teil einer umfangreichen Küchenbrigade wird. Besonders kurios: die Absteige hat offenbar keinen Ausgang. Wie entflieht er dieser Zwicklage? Start: 21. August 3
Ausgsting.
Ein junger Filmemacher aus Bayern hat sich schwer verkalkuliert, als er meint, als Begleiter eines vor mehr als 40 Jahren dem bürgerlichen Leben entsagenden Gangerl das Rezept auf Glücklichsein und Freiheit zu finden. Eine interessante G’schicht ist die Doku aber trotzdem. Start: 28. August 3
Caught Stealing
Das mit dem Katzensitting für seinen New Yorker Punk-Nachbarn hätte der einstmals talentierte Baseballspieler Hank (Austin Butler) wohl lieber sein lassen. Reihenweise stehen nun finstere Gestalten vor seiner Tür. Zeit, den Baseballschläger wieder hervorzuholen. Start: 28. August 4
Die Rosenschlacht
Beim diesem Remake von „Rosenkrieg“ sind es nun Benedict Cumberbatch und Olivia Coleman, die als zu Beginn noch glücklich und harmonisch durchs Leben gehen, ehe es mehr und mehr garstig wird zwischen den beiden. Bald werfen sie sich mehr als nur Worte an den Kopf. Start: 28. August 4
Wenn der Herbst naht
François Ozon inszeniert in seinem Krimi-Melodram die Anatomie eines Falles, von dem man nicht weiß, ob der Tod darin im Gewand von Suizid, Unfall oder Mord vorbeischaute. Für den Zuschauer legt Ozon Fährten und deutet Dinge an, buchstabiert sie aber nicht aus. Start: 28. August 4