Axel »Aki« Bosse ist einer der gefragtesten deutschen Pop- und Indie-Musiker der vergangenen zwei Jahrzehnte. Mit Alben wie »Engtanz« und »Alles ist jetzt« landete er gleich zweimal an der Spitze der deutschen Charts. Am 5. Mai beehrt er Stuttgart und hat sein neues Album »Stabile Poesie« im Gepäck. Im MORITZ-Interview spricht er über sein neues Album, Shitstorms und die Vorfreude auf erste Male.
Kehrst du mit deinem neuen Album »Stabile Poesie« zu deinen musikalischen Anfängen zurück?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon in der Schule meine ersten Gedichte vertont – damals noch mit einer pseudo-intellektuellen Brille und deutlich mehr jugendlichem Leichtsinn in den Texten. Ich hoffe, dass ich mich seitdem weiterentwickelt habe. Die Grundidee ist aber geblieben: Mit der Kraft von Sprache ein musikalisches Zeichen zu setzen.
Was bedeutet für dich »stabile Poesie«?
Für mich heißt das, eine klare Haltung zu haben und sie auch öffentlich zu vertreten. Musik sollte echt sein und aus einem inneren Antrieb entstehen, nur dann hat sie Bedeutung. Sie kann empowern und Menschen zeigen: »Du bist nicht allein.«Dieses gesellschaftspolitische Schreiben mit dem Wunsch nach Veränderung, wie man es aus der Poesie kennt, ist für mich die Königsdisziplin des Liedermachens. Und ich habe inzwischen das Gefühl, mich daran heranwagen zu können.
Bist du daher auch abseits der Bühne so politisch aktiv?
Ich lebe nach dem Motto: »Reden ist gut, machen ist besser«. Als Person des öffentlichen Lebens habe ich gemerkt, dass meine Stimme Gewicht hat und das möchte ich nutzen. Im November habe ich zum Beispiel den Song »Lass dich nicht ficken« gegen digitale Gewalt veröffentlicht. Auslöser war eine befreundete Journalistin, die Ziel eines massiven Shitstorms wurde. Der provokante Titel ist bewusst gewählt, weil genau dieses Wort »ficken« häufig als Beleidigung gegen weiblich gelesene Personen verwendet wird. Dass der Song vielen Menschen geholfen hat, ihre eigenen Erfahrungen öffentlich zu machen, zeigt mir, wie viel Musik bewirken kann. Es ist mir wichtig, dass meine Arbeit eine Plattform für Veränderung bietet.
Im vergangenen Jahr hast du auf 20 Jahre im Showbusiness zurückgeblickt. Was waren deine persönlichen Highlights?
Es fühlt sich bis heute großartig an, jeden Morgen aufzustehen und diesen Beruf ausüben zu dürfen. Zu den Highlights zählen für mich vor allem die vielen ersten Male. Auf Festivals wie Rock am Ring oder Hurricane auf der Bühne zu stehen, war ein Traum. Und ich freue mich darauf, dass noch viele solcher Momente vor mir liegen.
Ein weiteres erstes Mal steht dir jetzt bevor: Dein erster Auftritt in der Porsche Arena...
Ich bin unglaublich gern in Stuttgart. Schon in meiner Anfangszeit war die Stadt ein gutes Pflaster für uns. Während wir in München vor 60 Leuten gespielt haben, waren es in Stuttgart oft schon 200. Das Publikum dort ist einfach besonders, ich erinnere mich bis heute gerne an unsere Shows in der Röhre. Die Porsche Arena ist natürlich eine andere Dimension, aber ich werde das in vollen Zügen genießen.
Bosse, Di. 5. Mai, 20 Uhr, Porsche Arena, Stuttgart, musiccircus.de