Seit fast 20 Jahren leitet Johannes Kaetzler die Feuchtwanger Kreuzgangspiele. Im Gespräch verrät er, was die rund 50.000 Besucher in der kommenden Saison erwartet. Das Interview führte Andreas Kunkel.
Sie bringen eine neue Fassung von »Der große Gatsby« auf die Bühne. Was macht den Stoff heute so aktuell?
Der große Gatsby erzählt von dem geheimnisvollen Millionär Jay Gatsby, der in den 1920er-Jahren auf Long Island prunkvolle Feste veranstaltet, um seine verlorene Liebe zurückzugewinnen. Es ist eine Geschichte über eine tiefe Sehnsucht – über einen Mann, der sich eine Biografie wie eine Bühne baut und glaubt, er könne damit Zeit und Verlust überlisten.
Der Autor F. Scott Fitzgerald hatte eine hohe visionäre Begabung …
… und gleichzeitig war er ein zutiefst leidender Mensch. So liefert er uns einen großartigen Stoff, in dem verschiedene Bedeutungsebenen verpackt sind, ohne anstrengend zu werden für das Publikum. Der Roman ist ein Spiegel der aktuellen politischen Wirklichkeit. Er will zeigen, dass wir nicht blind auf das Alte zurückgehen dürfen, sondern die Erfahrung des Erlebten nutzen müssen, um daraus Neues zu entwickeln.
Das zweite große Stück der Saison ist Carlo Goldonis »Der Diener zweier Herren«.
Das Stück ist ein atemberaubendes Verwechslungsspiel: Der Diener Truffaldino versucht darin, gleichzeitig zwei Herren zu dienen, ohne dass sie voneinander wissen. Geleitet von Hunger und Überlebensinstinkt jongliert er Termine, Botschaften, Geld und Identitäten, immer kurz vor dem Auffliegen. Parallel dazu erleben die Zuschauer ein faszinierendes Liebes- und Intrigengeflecht: Verlobungen, heimliche Absichten und Eifersucht. Das wird sehr berührend sein und sehr komisch zugleich.
Was muss eine Saison im Kreuzgang leisten, damit sie Stammgäste begeistert und zugleich neue Besuchergruppen neugierig macht?
Eine Saison im Kreuzgang muss ästhetisch offen und zugleich emotional bewegend sein. Dann entstehen Abende, die Stammgäste wiederkommen lassen und neue Besucher neugierig machen. Die Kreuzgang-Bühne bedeutet für mich auch stets großes Kino: Was wir hier erschaffen, muss Blockbuster-Qualität haben. Und das heißt, groß erzählte Geschichten zu unterstützen durch Feuer- und Soundeffekte und durch ein spektakuläres Lichtdesign.
Die Saison 2026
Im Abendspielplan im Kreuzgang sind wieder große Stoffe der Welt- und Theaterliteratur zu erleben, denn dafür sind die Kreuzgangspiele bekannt und renommiert: Das Feuchtwanger Theater bringt immer wieder die ganz großen Geschichten auf die Bühne, adaptiert berühmte Romane, erarbeitet eigene Fassungen und zeigt Klassiker in frischem und neuem Gewand. »Der große Gatsby« von F. Scott Fitzgerald ist einer der berühmtesten Romane der Weltliteratur. Er ist mehrfach verfilmt worden, unter anderem mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, und wird im Jahr 2025 genau 100 Jahre alt. In ihm entfaltet sich ein Panorama glühender Leidenschaften und menschlicher Sehnsüchte – mitten im Amerika der wilden 1920er Jahren, der so genannten »Roaring Twenties«. Natürlich darf hier die passende Musik nicht fehlen. Regie führt Festspiel-Intendant Johannes Kaetzler. Einer der größten Komödienschriftsteller der Theatergeschichte ist Carlo Goldoni und seine berühmteste Komödie ist ohne Frage »Der Diener zweier Herren«, die schon mehrfach im Kreuzgang zu sehen war. Die Kreuzgangspiele zeigen, wie erfrischend komisch sie auch heute noch ist. Und das Wichtigste: nach allerlei urkomischen und lustigen Verwicklungen wird die Liebe siegen. Die Regie übernimmt Achim Conrad.
Auf der Bühne im Kreuzgang träumt »Die kleine Hexe« davon, eine große Hexe zu sein. Die berührende Geschichte von Otfried Preußler ist immer wieder ein großer Spaß für kleine und große Theaterbesucherinnen und Theaterbesucher – in der Kulisse des Kreuzgangs wird sie einen ganz besonderen Zauber entfalten. Konstantin Krisch wird wieder die Regie übernehmen. Fest zum Programm der Kreuzgangspiele gehört seit vielen Jahren das Theater für junge Menschen ab 13 Jahren. Die Inszenierungen sind experimenteller, offener und verpflichten sich dem klaren Blick auf die Gegenwart junger Menschen heute. Für Jugendliche zeigen die Festspiele 2026 eine moderne Interpretation des Klassikers »Der Sandmann« von E. T. A. Hoffmann. Regie führen Meike Pintaske und Mario Schnitzler. Seit 2024 neu etabliert ist das Theater für Erwachsene in der Nixel-Scheune. Anette Daugardt und Uwe Neumann begeisterten dort im Sommer 2025 mit einem Stück über die historische Rahel Varnhagen. 2026 kehren sie mit einer Bühnenversion des Sience-Fiction-Krimis »1984« von Goerge Orwell zurück – ein moderner Klassiker und hochaktuell!
Alle Stücke und Termine sowie Karten gibt es unter Telefon 09852 90444 und auf www.kreuzgangspiele.de
