Al Di Meola gehört zu den einflussreichsten Gitarristen der Gegenwart. Mit atemberaubender Technik, komplexen Rhythmen und einer meisterhaften Verbindung aus Jazz, Rock und Weltmusik hat er sich seit über fünf Jahrzehnten einen festen Platz an der Spitze der internationalen Musikszene erobert. Im MORITZ Interviw erzählt der Ausnahmegitarrist, wie ihn die Beatles, Chick Corea und seine Leidenschaft für komplexe Rhythmen geprägt haben und warum der direkte Kontakt mit dem Publikum jede Performance einzigartig macht.
Sie haben Ihre Tour »The Guitarchitect« genannt. Was verbirgt sich hinter diesem Titel? Der Name der Tour ist wohl mein liebster Tourneename. Er basiert auf einer Idee meiner Frau und beschreibt, wie ich als Komponist Geschichten aus strukturellen musikalischen Phrasen baue. Dabei versuche ich, in der Balance zwischen Struktur und Musik die Schönheit herauszustellen. Ich glaube, das beschreibt es sehr gut. Ich möchte in meinen Shows ein musikalisches Klanggebäude erschaffen.
Ein »Guitarchitect« braucht natürlich auch das namensgebende Instrument. Woher kommt Ihre Begeisterung für die Gitarre? In den 50er- und 60er-Jahren, in denen ich groß geworden bin, war die Gitarre ein enorm populäres Instrument. Auf mich hatte der Klang – gerade von Bands wie den Beatles – immer eine ganz besondere Anziehungskraft. Als meine sechs Jahre ältere Schwester mit ihren Freunden, als ich acht oder neun Jahre alt war, einmal eine Gitarre mitbrachte, habe ich mich sofort in diesen Klang verliebt. Ich hatte dann das große Glück, schnell einen Lehrer zu finden, der mich mit dem Old-School-Jazz bekannt gemacht hat. Eins führte zum anderen, und schließlich hatte ich das Glück, Chick Corea kennenzulernen und mit ihm gemeinsam bei »Return to Forever« spielen zu dürfen. Damals war ich 19, und Chick fühlte sich für mich wie ein Gott an. Ich musste künstlerisch und menschlich wachsen, ständig an mir arbeiten und mich weiterentwickeln. Ich bin sehr stolz darauf, dass mir das während meiner gesamten Karriere gelungen ist und ich auch heute noch alles selbst in der Hand halte.
In welche Richtung haben Sie sich musikalisch entwickelt? Oh, da gibt es natürlich einiges. Zum einen habe ich, glaube ich, viele Latin-Rhythmen in meine Kompositionen einfließen lassen. Ich bin praktisch in Latin-Clubs aufgewachsen, daher erschien es mir als sehr logischer Schritt, diese Melodien zu integrieren. Aber auch Elemente des Tangos oder der Musik des Mittleren Ostens lasse ich gerne einfließen. Ich bin zwar für komplexe Musik bekannt, habe in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder entdeckt, wie schön auch einfachere Stücke – etwa von den Beatles – sein können. Ich glaube, es ist wichtig, eine gute Balance zu finden und im eigenen künstlerischen Schaffen nie stehen zu bleiben.
Was macht einen gelungenen Konzertabend für Sie aus? Das Publikum. Es fühlt sich zwar immer gut an, die »Geburt« einer Idee nach einer langen Studiosession zum ersten Mal zu hören. Aber erst im direkten Kontakt mit den Zuschauerinnen und Zuschauern zeigt sich, ob das, was man sich lange ausgedacht hat, wirklich ankommt und seine volle Wirkung entfalten kann.
Al di Meola, Do. 12. & Fr. 13. März, 20 Uhr, Sudhaus Tübingen, www.sudhaus-tuebingen.de