Zwischen Eskapismus und Haltung: Mit seinem neuen Album »Euphoria« setzt Schiller bewusst einen Kontrapunkt zum krisengeprägten Zeitgeist. Im MORITZ-Interview spricht er über kreative Zufälle, drei Powerfrauen und darüber, warum Musik gerade jetzt auch Flucht sein darf.
Warum hast du dein Album »Euphoria« genannt?
Ich mache seit den 90ern Musik und habe eigentlich immer versucht, den Zeitgeist aufzugreifen. Die 90er gelten bis heute ja als das Spaßjahrzehnt. Wenn ich meine Musik von damals höre, merke ich, wie clubbig meine Songs aus dieser Zeit klingen. In den 2010er-Jahren war dann Entschleunigung das große Zauberwort, und auch damals hat sich mein Sound daran angepasst. Ich glaube, »Euphoria« ist mein erstes Album, mit dem ich den Zeitgeist ganz bewusst konterkariere. Ich wurde schon öfter gefragt, wie ich in einer Zeit, in der wir gefühlt von Krisen umzingelt sind, so ein Album veröffentlichen kann. Das ist für den einen oder anderen fast schon eine Provokation. Ich mache meine Musik aber, um eine Fluchtmöglichkeit aus dem scheinbar grauen Alltag aufzuzeigen. »Euphoria« ist eine Art Trotzreaktion gegen den Lauf der Dinge.
Auf deiner »Euphoria«-Tour begleiten dich mit Julia Sanina, Frida Gold und Sarah Brightman gleich drei Powerfrauen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit ihnen?
Ich kenne meine größte Schwäche als Musiker: Ich kann einfach nicht singen. Kollaborationen sind also ein ganz wichtiger Teil meines schöpferischen Prozesses, und es freut mich sehr, dass ich drei so starke Partnerinnen für die Tour gewinnen konnte. Die Zusammenarbeiten entstehen meist eher zufällig, und ich glaube, gerade deshalb passt es am Ende so gut zusammen. Julia Sanina, die ja eher auf Wacken als in der Elektronik zu Hause ist, kam direkt auf mich zu und fragte, ob ich nicht einen Remix zu einem ihrer Stücke machen möchte. Das habe ich zunächst versucht, dann aber schnell erkannt, dass ein neu komponiertes Stück viel besser passen könnte. So entstand mit »My Silence« ein wirklich interessantes, auf Ukrainisch gesungenes Stück. Mit Frida Gold hatte ich schon seit 2012 hin und wieder Kontakt, und wir haben uns immer gut verstanden. Musikalisch haben wir aber nie so wirklich zusammengefunden. Als ich sie dann im vergangenen Jahr beim Reeperbahn Festival wieder getroffen habe, hat es sofort gefunkt, und wir haben in sieben Tagen den Song »Sieben Nächte« aufgenommen. Das war eine tolle Erfahrung. Ganz spontan ist auch Sarah Brightman, die ich seit über 20 Jahren kenne, auf mich zugekommen und hat mir gesagt, dass sie Zeit hätte, bei der Tour dabei zu sein. So ein großartiges Angebot konnte ich natürlich nicht ausschlagen.
Worauf können sich die Zuschauer bei deiner Live-Show in Stuttgart freuen?
Zunächst einmal freue ich mich wahnsinnig, wieder in Stuttgart zu sein. Die Porsche-Arena ist eine großartige Location für meine Show. Die gesamte Halle wird mit Lautsprechern ausgestattet sein, sodass die Besucher von meinem Schiller-Surround-Sound umarmt werden. Eine Lichtshow macht das Ganze dann zu einem spektakulären Erlebnis für alle Sinne.
Schiller, Mo. 11. Mai, 20 Uhr, Porsche Arena, Stuttgart, musiccircus.de