40 Jahre Good News und zehn Jahre Weller-Rocknacht: Gleich zwei Jubiläen geben Anlass zum Feiern. Gründungsmitglied Helmut »Knut« Pietsch und Sängerin Moni Butz blicken im Interview mit MORITZ Redakteur Alexander Hinssen auf vier Jahrzehnte Bandgeschichte zurück, sprechen über besondere Momente bei der Rocknacht Weller und ihre Hoffnungen für die Zukunft.
Was sind eure ersten Gedanken zum 40-jährigen Jubiläum von Good News?
Moni: Als Erstes denke ich an Knut, den Gründer der Band.
Knut: Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass wir die 40 Jahre schaffen. Das war zeitlich unglaublich weit weg, als wir als junge Leute dieses Projekt gestartet haben. Dass wir einmal dieses Jubiläum feiern würden, war damals völlig unvorstellbar.
Was ist das Geheimnis, dass es 40 Jahre funktioniert hat?
Knut: Ich denke, wir bringen solides musikalisches Handwerk mit, sind authentisch und eine wirklich nette Truppe. Das hat uns immer viel Zuspruch beim Publikum gebracht. Über die Jahre haben wir uns eine große Fanbasis in der Region und darüber hinaus aufgebaut. Außerdem waren wir immer im direkten Kontakt mit unseren Fans und Veranstaltern. Das war immer sehr partnerschaftlich. Dass wir bis heute so direkt mit den Menschen zusammenkommen, ist für mich ein wesentlicher Teil unseres Erfolgs.
Moni: Ich finde, Knut bringt als Person ebenfalls sehr viel mit. Besonders hervorheben möchte ich zwei Eigenschaften: Er ist sehr diplomatisch und kann Situationen schnell erfassen und menschlich und lösungsorientiert damit umgehen. In unserer langen Bandgeschichte haben wir einige Höhen und Tiefen erlebt – Krankheiten, Abgänge von Bandmitgliedern und vieles mehr. Knut hat es immer wieder geschafft, uns als Team zusammenzuhalten. Zum anderen ist er sehr visionär und hat ein gutes Gespür für den Zeitgeist. Er erkennt schnell, wohin sich Dinge entwickeln. Dadurch konnten wir als Band immer nah an wichtigen Entwicklungen bleiben.
Ihr habt in den vergangenen 40 Jahren viele musikalische Epochen erlebt. Was hat sich für euch als Band verändert?
Knut: Wir haben in den 80er-Jahren angefangen. Damals waren noch viele Amerikaner hier stationiert, und wir haben unsere ersten Sporen in den amerikanischen Clubs verdient. Musikalisch kamen Bands wie Bon Jovi und die ganze Poser-Rock-Welle auf. Das haben wir natürlich aufgegriffen. Später kam die Grunge-Zeit, und auch die haben wir mitgemacht. Wir hatten wahrscheinlich immer ein ganz gutes Gespür dafür, worauf die Leute gerade stehen und was bei einem Festzelt oder einer Veranstaltung funktioniert.
Moni: Wir hatten außerdem das Glück, dass unser Publikum mit uns mitgealtert ist. Wir waren nie die Band, die auf jeden Trend aufgesprungen ist. Als viele Bands beispielsweise in Richtung Volksmusik gegangen sind, sind wir unserer Linie treu geblieben. Unsere Fans sind diesen Weg mit uns gegangen. Heute erleben wir sogar, dass Eltern ihre Kinder zu unseren Auftritten mitbringen und diese ebenfalls unsere Live-Musik mögen. Wir haben unseren eigenen Stil und bieten authentische Musik.
Was hat sich bei den Veranstaltungen verändert?
Knut: Wenn ich an die 80er- und 90er-Jahre zurückdenke, war die Situation völlig anders. Es gab kein Internet und keine sozialen Medien. Wenn man am Samstag wissen wollte, was los ist, hat man in die Zeitung geschaut oder von der Telefonzelle aus telefoniert. Im Hohenlohekreis, im Unterland, in Hessen, Bayern, Franken und am Bodensee gab es jedes Wochenende Tanzveranstaltungen in den Dörfern. Die Vereine hatten ein- oder zweimal im Jahr eine Coverband. Diese Veranstaltungen waren voll und ein Treffpunkt für Jung und Alt. Heute gibt es dieses klassische Geschäft „Wir gehen am Samstag zu einer Coverband“ in dieser Form nicht mehr. Viele Vereine haben kaum noch Nachwuchs und es gibt immer weniger Ehrenamtliche. Wir haben uns über die Jahre ein Stammpublikum erarbeitet und spielen zwar nicht mehr so häufig wie früher, dafür aber bei hochkarätigen Veranstaltungen in der ganzen Region. Wenn die Veranstalter Good News buchen, wissen sie: Die Bühne ist voll und es bebt. Wir liefern genau das, was bei einer Rocknacht erwartet wird.
Ihr seid seit zehn Jahren bei der Rocknacht Weller dabei. Was macht für euch den Reiz dieser Veranstaltung aus?
Knut: Wir waren tatsächlich jedes Mal dabei. An dieser Stelle auch noch einmal ein großes Dankeschön an Markus Wahsner, der von Anfang an mit dabei war. Mit ihm und dem Autohaus Weller haben wir über die Jahre eine hervorragende Kooperation aufgebaut. Wir hoffen natürlich, dass das noch einige Jahre so weitergeht.
Moni: Für mich ist besonders schön zu sehen, wie sich die Veranstaltung entwickelt hat. Als wir beim Weller angefangen haben, hatte sie noch nicht die Größe, die sie heute hat. Mit jedem Jahr kam etwas dazu. Heute kommen die Menschen bereits mit einer positiven Stimmung dorthin und diese Stimmung steckt an. Für mich als Sängerin ist die Reaktion des Publikums besonders wichtig. Beim Weller stellen wir immer wieder fest, dass die Stimmung vom ersten Ton an großartig ist.
Gibt es einen Auftritt bei der Rocknacht Weller, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Knut: Wir freuen uns über jeden Auftritt. Gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren hat sich die Rocknacht Weller zu einem richtigen Konzert-Event entwickelt. Das ist großartig.
Du kommst dort hin, die Leute sind unglaublich freundlich, und es fühlt sich an, als würdest du auf ein großes Konzert gehen. Wenn wir anfangen, hat die Veranstaltung einen ganz eigenen Flair.
Moni: Mir ist außerdem wichtig, dass sich ein Konzert weiterentwickelt. Beim Weller sieht man diese Entwicklung jedes Jahr. Die Veranstaltung wird größer, es kommen neue Bereiche dazu und die Stimmung wächst.
Wie entscheidet ihr, welche Songs ihr spielt?
Moni: Das werden wir sehr oft gefragt. Am Ende weiß es keiner so genau. Wir werfen irgendetwas zusammen – und daraus entsteht dann ein echter Good-News-Abend.
Knut: Wir spielen erfahrungsbasiert. Es gibt Songs, die funktionieren, und andere, die weniger gut funktionieren. Manche können wir sehr gut interpretieren, andere liegen uns weniger. Wir versuchen, eine Mischung zu finden, bei der wir selbst Spaß haben und das auch auf der Bühne rüberbringen. Durch unsere Erfahrung wissen wir mittlerweile ziemlich genau, welche Stücke das Publikum mitnehmen. Es gibt Musik, die ich zu Hause sehr gerne über Kopfhörer höre, die ich aber nicht unbedingt bei einem Live-Event spielen würde.
Gibt es einen Song, der für Good News besonders wichtig ist?
Moni: Es gibt viele. Ich habe über die Jahre gelernt, wie wichtig die Dramaturgie eines Programms ist. Es geht nicht nur darum, welche Songs man spielt, sondern auch darum, in welcher Reihenfolge sie kommen. Man kann nicht den ganzen Abend nur Songs spielen, die permanent reinfetzen. Manchmal muss man einen Song auch langsam angehen lassen. Je nachdem, ob wir auf einem Stadtfest oder bei der Weller-Rocknacht spielen, bauen wir unser Programm unterschiedlich auf. Ein Beispiel ist „Creep“. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich den Song durchgebracht habe. Anfangs war tatsächlich klar: Wenn er nicht ankommt, fliegt er wieder raus. Irgendwann haben die Leute aber genau diesen Song gesucht, weil er eben nicht von jeder Coverband gespielt wird. Mittlerweile interpretieren wir Songs auch nicht mehr unbedingt eins zu eins. Wir nehmen das Original und machen daraus eine Version, die zu Good News passt.
Ihr sprecht von einem eigenen Good-News-Sound. Was macht ihn aus?
Knut: Die Mischung aus Rhythmusgitarre, Gitarrenarbeit, Keyboards und der Rhythmusgruppe mit Schlagzeug und Bass hat sich über die Jahre bei uns eingespielt. Wir wissen einfach, wie etwas klingen muss. Deshalb haben wir unseren eigenen Sound. Ich kann ihn nicht wirklich in Worte fassen. Wir spüren sofort, ob ein Song funktioniert oder nicht. Unser Keyboarder Klaus Dietterle ist dabei maßgeblich für unser Sounddesign verantwortlich. Und es gibt einen kleinen Funfact: Einen Song spielen wir seit 1986 praktisch ohne Ausnahme – „Rebel Yell“. Unser damaliger Gitarrist Norbert hat ihn mitgebracht. Wir gingen damit in den American Club und die Leute wollten ihn unbedingt hören. Seit 1986 ist er in unserem Programm und funktioniert immer.
40 Jahre bedeuten natürlich auch, nach vorne zu schauen. Was möchtet ihr noch erleben oder erreichen?
Knut: Wir sind froh, an diesem Punkt angekommen zu sein. Musik zu machen, ist ein echtes Privileg, und dafür sind wir dankbar. Wenn es weiterhin läuft, die Nachfrage da ist und die Leute uns hören wollen, ist das eine super Sache. Dann machen wir gerne weiter und geben auf den Bühnen der Region unser Bestes. Wenn die Leute uns hören wollen und die Veranstalter auf uns zukommen, sind wir da. So einfach ist das.
Moni: Man weiß natürlich nicht, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln. Veranstaltungen werden schwieriger zu organisieren, es gibt weniger Ehrenamtliche und gleichzeitig hohe Sicherheitsauflagen. Das kann den einen oder anderen Veranstalter abschrecken. Unsere Zukunft ist deshalb vor allem eines: dankbar zu sein für jeden Auftritt, den wir spielen dürfen, gemeinsam mit dem Publikum und den Veranstaltern. Wir haben so viel Spaß miteinander, dass man nach einem Auftritt von der Bühne geht und sich ein Stück weit vom Alltag erholt hat. Das gilt nicht nur für das Publikum, sondern auch für uns Musiker. Wir wissen nicht, was mit KI passiert, wie sich DJ-Konzepte weiterentwickeln oder welche anderen Faktoren die Live-Musik verändern werden. Vieles davon können wir nicht steuern. Wir sind einfach froh, solange wir diese Qualität und diesen Spaß gemeinsam auf die Bühne bringen können.
Knut: Sehr gut, Moni. Sehr gut gesagt. Dem kann ich nur zustimmen.
10 Jahre Rocknacht Weller & 40 Jahre Good News Sa. 17. Oktober, 19 Uhr, Autohaus Weller Bietigheim-Bissingen, www.rocknacht-weller.de