Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland sich lange Zeit als das klassische Land der Sparer etabliert hat. Wer kennt es nicht? Das gute alte Sparbuch, das Tagesgeldkonto oder die klassische Lebensversicherung. All diese Punkte habe sich über Jahrzehnte hinweg als Favorit der heimischen Geldanlage etabliert. Doch seit der Pandemie verändert sich diese Welt in eine Richtung, die im Jahr 2025 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Immer mehr Deutsche entdecken den Kapitalmarkt für sich und sind dabei wesentlich strukturierter als andere Länder im Vergleich.
Die Angst vor dem Aktienmarkt weicht zunehmend einem pragmatischen Verständnis für den langfristigen Vermögensaufbau. Angetrieben von der hartnäckigen Inflation der Vorjahre, der allgegenwärtigen Diskussion um die staatliche Rentenlücke und nicht zuletzt durch den einfachen Zugang über moderne Broker, hat sich eine neue, breite Aktionärskultur etabliert.
Laut Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) hat die Anzahl der Anleger in Deutschland Ende 2025 einen neuen Höchststand von 14,11 Millionen erreicht. Dabei gab es gegenüber dem Vorjahr 15,82 Prozent mehr Anleger, die Aktien- und Mischfonds im Depot hatten. Die meisten Anleger setzen dabei auf ETFs und kaufen Anteile daran gerne auch per Sparplan. Bei der Suche nach den passenden ETFs kann man jedoch viel falsch machen: zu sehr auf Themen setzen, die gerade im Trend sind, zu exotisch anlegen etc. Deshalb haben wir jemanden gefragt, der es wissen muss: Daniel Franke, der mit seiner Redaktion seit fast zwei Jahrzehnten Finanzthemen im Netz erklärt.
Die Frage, welche ETFs kaufen, beantwortet dieser wie folgt: „Einfacher Depotaufbau und nicht zu viele verschiedene Produkte sind das Wichtigste. Für Anleger, die langfristig von den Weltbörsen profitieren wollen, empfiehlt sich nach wie vor ein Portfolio aus jeweils einem ETF für Aktien und einem für Anleihen. Ein solches „Core-Portfolio“ kann zum Beispiel aus dem iShares MSCI ACWI UCITS (ISIN IE00B6R52259) und dem Amundi J.P.Morgan GBI Global Govies (ISIN LU1737653631) in gewünschter Gewichtung bestehen. Wer alle wichtigen Anlageklassen berücksichtigen will, kann ein so genanntes „Allwetter-Portfolio“ aufbauen, oft auch als diversifiziertes Portfolio bezeichnet. Für unsere Leser haben wir dafür ein Musterdepot aus gerade einmal fünf ETFs aufgebaut: SPDR MSCI ACWI (ISIN IE00B44Z5B48) für Aktien, SPDR Refinitiv Global Convertible Bond (ISIN IE00BNH72088) für (Wandel-)Anleihen, iShares $ Treasury Bond 20+yr (ISIN IE00BSKRJZ44) für Anleihen, Euwax Gold II (ISIN DE000EWG2LD7) für den Goldanteil und Market Access Rogers International Commodity Index (ISIN LU0249326488), um Rohstoffe abzubilden.
Als Gewichtung würde ich 40 bis 50 Prozent Aktien, 20 bis 30 Prozent Anleihen, 10 bis 15 Prozent Gold und 10 bis 15 Prozent Rohstoffe wählen. In der Rückrechnung kommt dieses Depot auf rund 50 Prozent Wertzuwachs in den letzten fünf Jahren.“
Warum der Trend zum Fonds und ETF ungebrochen ist
Der Anstieg von 15,82 Prozent bei den Besitzern von Aktien- und Mischfonds ist kein Zufall. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen denken massiv um, denn bis zur Pandemie war eigentlich klar, dass die gesetzliche Rente den eigenen Lebensstandard im Alter vollumfänglich sichert. Heute weiß man, dass dies nicht mehr der Fall sein wird. Private Vorsorge wird zur Pflicht. Das verändert nicht nur die Art der Anlage, sondern auch das Thema Konsum an sich.
Gleichzeitig hat die Finanzbranche massiv reagiert. Wo früher oft teure, aktiv gemanagte Fonds mit hohen Ausgabeaufschlägen von Bankberatern vertrieben wurden, dominieren heute transparente und kostengünstige Indexfonds das Geschehen. Diese Demokratisierung der Geldanlage wird durch digitale Plattformen und Smartphone-Apps flankiert, die es ermöglichen, mit wenigen Klicks und oft schon ab Sparraten von nur einem Euro am weltweiten Wirtschaftswachstum teilzuhaben, und so der hohen Pro-Kopf Verschuldung entgegenzuwirken.
Automatisierung als Schlüssel zum Erfolg
Besonders der Siegeszug der Sparpläne treibt die aktuellen Rekordzahlen des DAI an. Anstatt große Einmalanlagen zu tätigen und dabei oft den vermeintlich "richtigen" Einstiegszeitpunkt abpassen zu wollen, setzen immer mehr der 14,11 Millionen Anleger auf pure Automatisierung. Einmal eingerichtet, fließt monatlich ein fester Betrag in das gewählte Welt-Portfolio.
Diese Strategie hilft dabei, die Emotionen aus der Geldanlage herauszuhalten – ein Faktor, der historisch gesehen oft zu Fehlentscheidungen bei Privatanlegern geführt hat. Panikverkäufe in Krisenzeiten werden spürbar seltener, stattdessen überwiegt bei den neuen Anlegern das Verständnis, dass zwischenzeitliche Marktschwankungen bei einem Anlagehorizont von zehn, zwanzig oder dreißig Jahren völlig normale Begleiterscheinungen sind.
Fazit: Eine nachhaltige Aktienkultur
Die beeindruckenden Zahlen des Jahres 2025 sind nicht nur statistische Momentaufnahme, aber markieren einen strukturellen Meilenstein in Deutschland mit. Der rasante Zuwachs an Investoren in Aktien- und Mischfonds zeigt ganz klar, dass die Deutschen ihre finanzielle Zukunft zunehmend selbst in die Hand nehmen. Es handelt sich hierbei nicht um einen kurzfristigen Hype, wie wir ihn etwa zur Jahrtausendwende rund um den Neuen Markt erlebten. Vielmehr sehen wir heute ein fundiertes, oft durch digitale Bildungsangebote aufgeklärtes Vorgehen, bei dem Diversifikation und Langfristigkeit im absoluten Fokus stehen.
Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dürfte der neue Höchststand von über 14 Millionen Anlegern nur ein weiterer Zwischenschritt auf dem Weg zu einer echten, breit verankerten Aktionärskultur sein.