Manuel Hagel ist das frische Gesicht der CDU Baden-Württemberg. Der junge Familienvater tritt erstmals als Spitzenkandidat seiner Partei an. Im MORITZ Interview skizziert er seine Vision fürs Land und spricht darüber, warum Zuversicht, Tempo und Verantwortung für kommende Generationen entscheidend sind.
Was ist für Sie die wichtigste Aufgabe in der kommenden Legislaturperiode?
Machen. Wollen reicht nicht mehr, machen ist jetzt angesagt! Bei einer CDU-geführten Landesregierung soll es zwei Sätze künftig nicht mehr geben: „Da kann das Land nichts machen“ und „Da ist das Land nicht zuständig“. Fast alles lässt sich ändern, wenn man möchte. Diese Ambition wollen wir zurück in die Landespolitik bringen. Die schlechte Nachricht ist, dass die meisten unserer Probleme hausgemacht sind – aber das ist ja auch gleichzeitig die Gute. Wir bekommen das gemeinsam wieder hin in unserem Land.
Ihre „Agenda 2036“ – welche Ziele verfolgen Sie, und warum ist sie notwendig?
Baden‑Württemberg soll ein Land sein, auf das wir gemeinsam stolz sein können. Die Agenda 2036 gibt uns dafür einen Fahrplan vor – damit unser Land dauerhaft zu den stärksten und innovativsten Regionen Europas zählt. Wir wollen damit unser Land zurück an die Spitze führen. Dafür wollen wir gemeinsam mit unserer Wirtschaft sieben Cluster aufbauen, in denen Baden-Württemberg schon exzellent ist und realistisch weltspitze werden kann: etwa Automotive in der Region Stuttgart, Photonik auf der Ostalb, Medizintechnik in und um Tuttlingen oder Verteidigungsindustrie am Bodensee. Für diese Cluster richten wir Sonderwirtschaftszonen ein, in denen neues Wachstum und Arbeitsplätze entstehen: Stellen Sie sich Gewerbegebiete vor, in denen Unternehmen befreit von viel Regulierung forschen und produzieren können. Das schafft neue Produktivität, damit neue Wertschöpfung und so neue Arbeitsplätze entstehen. Hand in Hand geht das mit einer mutigen Bildungspolitik für die Schafferinnen und Schaffer von morgen und einem Land, das sicher ist und einfach funktioniert.
Welche neuen Perspektiven würden Sie als jüngster Ministerpräsident einbringen?
Das Großartige an Baden‑Württemberg ist doch: Hier fragt keiner nach Herkunft, Alter, wen man liebt oder an was man glaubt. Bei uns zählt schon immer, dass man die Ärmel hochkrempelt und anpackt – so wie es die Menschen im Land jeden Tag vormachen. Als Familienpapa habe ich einen etwas anderen Blick aufs Land und auf das, was jetzt zu tun ist. Ich glaube, als Vater denkt man irgendwie ganz automatisch in längeren Linien und sucht Entscheidungen, die über den Tag hinaustragen. Ich finde: Ein Ministerpräsident von Baden-Württemberg braucht Wirtschaftskompetenz von Lothar Späth, die Geschwindigkeit von Günther Oettinger und er muss schaffen wie der Teufel. Genau dafür mache ich ein Angebot. Unlängst hat mir eine ältere Dame gesagt „Mensch Herr Hagel, ein Ministerpräsident, der noch selbst den Kinderwagen schiebt, das passt doch zu Baden-Württemberg.“ Ihr Wort in Gottes Ohr (*lacht*).
Woran zeigt sich für Sie gute politische Führung?
Politik muss sich an dem orientieren, was den Menschen unter den Nägeln brennt – gute Politik muss den Realitätscheck bestehen. Viele machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz und der nächtliche Heimweg fühlt sich für viele Menschen im Land nicht mehr so sicher an wie früher – das prägt unser Zusammenleben und die Stimmung in unserem Land. Genau darum werden wir uns kümmern.
Es geht dabei nicht darum, wer am lautesten schreit oder die schrillsten Ideen präsentiert. Führung heißt für mich, dass man klar sagt, was ist – und mutig entscheidet, was werden soll. Dass man zuhört, bevor man handelt. Dass man Haltung zeigt, auch wenn’s mal Gegenwind gibt. Und vor allem, dass man Menschen miteinander verbindet, statt sie gegeneinander auszuspielen. Politische Führung heißt jetzt ambitioniert zu entscheiden. Das wir uns wieder was zutrauen in unserem Land. Krisenzeiten sind immer Zeiten für Christdemokraten.
Was ist Ihr größter persönlicher und politischer Wunsch?
Als Papa ist mein wichtigster Wunsch ganz einfach: Ich wünsche mir, dass es unseren Kindern und meine Familie gut geht und sie glücklich sind. Das klingt jetzt etwas langweilig, aber mir ist das wirklich das wichtigste überhaupt.
Für unser Land wünsche ich mir, dass wir zu neuer Zuversicht kommen. Die hat Baden‑Württemberg immer stark gemacht. Wir standen oft vor großen Herausforderungen, aber wir haben nie gejammert, sondern haben angepackt und sind aus jeder Krise stärker hervorgegangen. So wurde aus einem bettelarmen Agrarland eine der spannendsten High‑Tech‑Regionen der Welt. Ich bin mir auch dieses Mal zu 100 Prozent sicher: Die besten Zeiten liegen für Baden‑Württemberg nicht hinter uns – sie liegen noch vor uns.