Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre ist vorbei – an ein Aufatmen ist bei den Konjunkturprognosen der Wirtschaftsjunioren Heilbronn-Franken für das Jahr 2026 aber nach wie vor nicht zu denken. »Ein klares Aufbruchsignal für die Wirtschaft lässt auf sich warten«, berichtet Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken. Zwar gehe in der aktuellen Geschäftslage der Unternehmen aus der Region die Kurve wieder leicht aufwärts – die Lageeinschätzung bleibe aber negativ und hat sich, wenn überhaupt, sogar verschlechtert.
Die aktuelle Geschäftslage wird von nur rund 26,4 Prozent der von der IHK Heilbronn-Franken befragten Betriebe als positiv bewertet. 2025 waren es noch 31 Prozent. Als befriedigend stufen hingegen 54,9 Prozent (2025: 50,4 Prozent) ihre derzeitige Geschäftslage ein, während 18,7 Prozent (2025: 24,1 Prozent) ein negatives Ergebnis vermelden. Auch für das kommende Jahr werde keine große Verbesserung der Lage erwartet, so Döring. Als Gründe werden vermehrt die steigenden Kosten, Druck durch den internationalen Wettbewerb sowie bürokratische Lasten genannt. »Die Unternehmen sparen, anstatt zu investieren«, warnt Döring. Unternehmen fühlen sich laut Umfrage von der Wirtschaftspolitik ausgebremst. »Innovations- und Transformationsmotive spielen nur ganz am Rand eine Rolle. Die Hauptmotivation ist Überleben.« Insgesamt werde für die Wirtschaft in der Region für 2026 eine moderate Erholung nach längerer Schwächephase prognostiziert – doch Elke Döring macht deutlich: »Durchschimmernde Hoffnungsschimmer sind allein Leistung der Unternehmen, häufig trotz der aktuellen Wirtschaftspolitik.«
Auch Jan Hartmann, Geschäftsführender Gesellschafter der IDS Imaging Development Systems GmbH, berichtet von Herausforderungen in seiner Brache: Neben steigenden Kosten und belastender Bürokatieanforderungen sehe der aus Obersulm weltweit tätige Industriekamerahersteller vor allem großes Chaos durch internationale Trends wie Cybersecurity, die aus den USA kommenden Zölle, Wettbewerb aus China sowie einer globalen Chipkrise. Trotzdem wolle Hartmann optimistisch auf die Zukunft blicken: »Wir sehen Möglichkeiten und wollen diese nutzen, um nicht nur zu überleben, sondern zu wachsen und so auch die Region zu stärken.«
Ein nachhaltiges und zufriedenstellendes Wachstum hingegen verzeichnet der Elebnispark Tripsdrill. Geschäftsführer Stefan Seipel sehe zwar ein »verschlechtertes Konsumklima« und einen erhöhten Wettbewerbsdruck, trotzdem blicke Deutschlands erster Erlebnispark positiv auf das kommende Jahr. »Zusätzlich zu unsern über 100 Attraktionen, dem Wilparadies und dem Naturressort planen wir zurzeit ein neues Baufeld für eine einmalige Erlebnisgastronomie.« Tripsdrill sei fest entschlossen, trotz steigenden Personal- und Energiekosten weiterhin zu investieren, um ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. »Man gewöhnt sich so schnell an die angespannte Wirtschaftslage, aber wir sind Unternehmer«, so Seipel. »Wir gestalten, statt uns zu gewöhnen.«
Christine Grotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der Weber-Hydraulik GmbH, findet deutliche Worte an die Politik im Land. »Gefühlt sind wir seit 2017 in der Dauerkrise.« Stammsitz des Unternehmens ist in Güglingen, mittlerweile müssen aber mehr und mehr Ressourcen und Arbeitskräfte aus Deutschland an den Weber-Hydraulik Standort in Polen verlagert werden. »Diese Arbeitsplätze sind für Deutschland dann weg!«, betont Grotz, was für zustimmenden Zwischenapplaus im Raum sorgt. Die Geschäftslage insgesamt sei »okay«, aber nach oben werde keine Trendwende erwartet. »Das Umsatzniveau von 2023 erreichen wir voraussichtlich erst wieder im Jahr 2027.«
Nicht ganz so kritisch äußert sich Ralf Peter Beitner, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heilbronn, über die aktuelle Lage. Auch er sehe zwar bei Unternehmen Nachholbedarf bei Investitionen, insbesondere in die energetische Transformation. »Insgesamt zeigen sich unsere Unternehmenskunden aber trotz gedämpfter Konjunktur überaus robust.« Die Rating-Kredite der Firmen- und Gewerbekunden sprechen laut Beitner eine positive Sprache. »Wir beobachten einen erhöhten Beratungsbedarf in einem unsicheren Marktumfeld und einen steigenden Finanzierungsbedarf.« Für 2026 erwarte er dennoch einen moderaten Anstieg der Unternehmensinvestitionen in der Region.
Die Marktentwicklung der vergangenen Jahre zeige sich jetzt auch in dem Bau der Infrastruktur im Land – zu diesem Schluss kommt Volker Zesch, Prokurist und Kaufmännischer Leiter bei der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG. »Es herrscht enorme Unsicherheit am Markt.« In Deutschland herrsche ein struktureller Investitionsbedarf, der aber durch politische Rahmenbedingungen und strenge Regulationen häufig gebremst werde – was sich dann auf die Infrastruktur im Lande auswirke. »In unserer, wie auch in vielen anderen Branchen gilt: Menschen machen den Unterschied«, so Zesch.
»In der Marktentwicklung ist der Tiefpunkt erreicht – von hier aus kann es nur noch aufwärts gehen«, berichtet Timo Schweikert, Geschäftsführer der Schweikert GmbH. Das familiengeführte Blechteilherstellungsunternehmen aus Lehrensteinsfeld leidet unter schrumpfenden inländischen Kapazitäten sowie dem steigenden Wettbewerbsdruck. Als Lösung wird in eine konsequente Digitalisierung und einen verstärkten Automationsgrad investiert. Know-How und Innovationen, auch im Bereich Künstliche Intelligenz – hier erhofft sich Schweikert Vorteile durch die Nähe zu dem im Bau befindlichen IPAI-Zentrum: »Wir werden den direkten Zugang zu KI-Expertise nutzen.«
Die Krisenlage habe sich entspannt – aber an ein Aufatmen ist nicht zu denken, warnt Elke Döring von der IHK Heilbronn-Franken. »Hierzulande wird abgebaut, anderswo wird aufgebaut.« Damit die Region und Deutschland nicht international abgehängt würde, müsse die Ausbremsung der Unternehmen durch die Wirtschaftspolitik aufhören: »2026 wird ein Schicksalsjahr für die Wirtschaft.«